Wer den St. Galler Apfelsaft Gartengold trinkt, lässt es sich schmecken und tut Gutes. Denn Albert Gebhardt und Leonard Wilhelmi tun dies als Social Entrepreneurs und verfolgen das hehre Ziel, ungenutzte Ressourcen brauchbar zu machen. Gemeinsam mit Menschen mit Behinderung haben sie dazu 20‘000 Liter leckeren Apfelsaft aus der Region hergestellt. Die gesamte Story hinter Gartengold gibt es nun in diesem Artikel.

Die beiden Gartengold-Gründer: Albert Gebhardt (links) und Leonard Wilhelmi (rechts).

Die beiden Gartengold-Gründer: Albert Gebhardt (links) und Leonard Wilhelmi (rechts).

 

Dass der Wunsch nach Selbstständigkeit und Unternehmertum an der Universität St. Gallen stetig zunimmt, ist längst bekannt. Hunderte HSGler beschäftigen sich ausführlich mit diversen Geschäftsideen, lassen sich im HSG Gründer Lab challengen und holen sich auf den einschlägigen Portalen, wie Techcrunch, Startwerk oder Deutsche Start-ups.de. ihre Inspiration. Doch bei Albert und Leonard war eine Gründung gar kein Ziel. „Es war nie der Plan, dass wir unbedingt gründen müssen. Es war eher zufällig, dass sich diese Chance ergab, Gartengold lag quasi auf dem Weg“, gibt Albert zu verstehen. „Alles Begann im Herbst 2012, als wir wieder einmal rund um Rotmonten joggen waren. Zwar sind uns vorher schon die vielen, ziemlich alleinstehenden Apfelbäume aufgefallen – bei denen wir uns des Öfteren auch selbst bedienten – jedoch ist uns erst im Winter klar geworden, dass sich um diese Bäume niemand kümmert. Über Tage und Wochen hinweg lagen die Äpfel im Schnee und dies hat uns zum Nachdenken veranlasst: Ressourcen ungenutzt lassen, statt etwas Sinnvolles damit anzufangen. Das zu ändern, ist uns ein persönliches Bedürfnis und seitdem liegt unser Augenmerk eben auf ungenutzt herumliegenden Äpfeln, verdeutlichen die Beiden ihre Gründungsmotivation.

Gartengold Apfelsaft

 

Apfelsaft allein ist zu wenig

„Uns war klar, dass nur die Verarbeitung von Äpfeln zu Apfelsaft zu wenig war. Dafür ist der Markt zu gesättigt und kompetitiv. Also brauchten wir etwas, das über den Apfelsaft hinausgeht, etwas wirklich Sinnstiftendes und Nützliches. Dies brachte uns auf Idee, benachteiligte Menschen mit Handicap miteinzubeziehen. So arbeiten wir nun mit diversen Behindertenwerkstätten zusammen und alle Benachteiligten sind gleichermassen in unsere Wertschöpfungskette eingebunden: Von der Ernte über den Transport und die Lagerung bis zur Etikettierung unseres naturtrüben Gartengolds. All diese Tätigkeiten dienen dazu, ihre Persönlichkeit weiter zu fördern, Wertschätzung zu geben und Freude an der Arbeit zu vermitteln; eben ein ganz besonderer Apfelsaft“, erläutert Albert den grossen Sinnzusammenhang hinter Gartengold. Von elementarer Bedeutung war hierzu das Feedback seitens der Behindertenwerkstatt Valida in

St. Gallen. Die hatte die Apfelernte ebenfalls als einen weiteren Tätigkeitsbereich entdeckt, jedoch mangelte es noch an den Kapazitäten. Albert und Leonard kamen daher mit ihrer Idee zur richtigen Zeit auf sie zu. Ebenfalls sehr wichtig für die Beiden war der Gewinn des seif Awards im Sommer 2013. „Von einer solch hochkarätigen Jury und gegen diese starke Konkurrenz zu gewinnen, hat uns sehr in unserem Tun bestätigt und gestärkt“, gesteht Albert ein, da es zwischenzeitlich schon eine Achterbahnfahrt mit vielen Hochs- und Tiefs war. „So ein Sieg bringt enorm viel Rückendeckung, Legitimation und Motivation mit sich. Zudem konnten wir einige Stiftungen von uns überzeugen und gemeinsam mit unserem eigenen Geld war es dann soweit, dass es kein Zurück mehr gab“, verdeutlicht Albert den Beginn von Gartengold.

Insgesamt zog es sich über acht Monate hin, bis nach der Fertigstellung des Businessplans „der erste Baum geschüttelt wurde“, wie Albert es schmunzelnd ausdrückt.

 

„Mit so viel Unterstützung haben wir nicht gerechnet“

„Da Leonard ja weiterhin studiert und ich soeben erst mein Doktorat im Finance Bereich abschloss, wurden wir mit unserer Idee zunächst lächelnd beäugt. Zwar riet uns niemand von der Idee ab, aber so richtig geglaubt, dass wir es durchziehen, haben wohl die wenigsten aus unserem Verwandten- und Freundeskreis“, äussert sich Albert stolz über die bisherige Leistungsbilanz. Gute 600 Bäume (zwischen 5-2‘000 Äpfeln pro Baum) konnten innert weniger Wochen committet werden und diese Tonnen an geernteten Äpfeln wurden schliesslich zu enormen 20‘000 Liter Apfelsaft gepresst. Damit konnten 22‘000 Gebinde abgefüllt werden, welche nun vom Lager an die Kunden geliefert werden. „Dass es so gut lief, hätten wir anfangs nicht gedacht. Wir dachten vielmehr an die ganzen Landwirte, die ihre Äpfel lieber weiterhin selbst verwerten wollen. Doch hatten wir ganz übersehen, wie sozial und herzlich viele der Baumspender sind. Dass sie mit ihren Äpfeln etwas Gutes bewirken können und quasi einen eigenen Apfelsaft produziert bekommen, hatte aber dann doch eine wahnsinnigstarke Signal- und Begeisterungswirkung. Und oft genug wurden unserer 20-Mann starken Erntetruppe Kaffee und Kuchen gereicht“, erinnert sich Albert genüsslich an die vergangene Ernte zurück.

 

Wie soll es weitergehen?

Für 2014 haben sich Leonard und Albert viel vorgenommen. Zunächst soll der Kundenstamm ausgebaut werden und die St. Gallen Region gefestigt werden. Hierzu kooperiert man nun mit der lokalen Gastronomie. Ebenfalls sind als Businesskunden Helvetia, Notenstein, Varioprint, Suva und der Staatskeller dabei, die mit Gartengold ihr Getränkeangebot für die Mitarbeiter in der Mensa erweitern. Zudem wird die Webseite überarbeitet, damit man den Apfelsaft noch einfacher bestellen kann.

Ebenfalls will man das Volumen verdoppeln und das Produktportfolio erweitern, da es in den Gärten ja nicht nur Äpfel, sondern auch Birnen, Zwetschgen und Nüsse zuhauf gibt. Und es muss auch nicht immer Saft sein, auch Marmelade oder ein leckerer Schnaps wären ebenfalls denkbar, wie Albert erneut genüsslich schildert.

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